Peitschen-Debatte in Frankreich
"Gehen wir zu weit?" - so übertitelt der Paris Turf einen Beitrag zum Peitschengebrauch in Frankreich und den Sanktionen durch die Rennleitung, den wir hier in einer freien Übersetzung wiedergeben.
Éric Raffin und Alan Gendrot wurden nach dem Prix de Cornulier hart bestraft, nun folgte ihnen Sébastien Ernault, dessen Fall am Mittwoch von der SETF-Kommission entschieden wurde. In allen drei Fällen ging es um den unsachgemäßen Einsatz der Peitsche.
Der neue Artikel 73 des französischen Regelwerks, der am 1. April 2025 in Kraft trat, ist das Ergebnis eines langen Prozesses. Er wurde im Januar 2024 von der UET initiiert, im Juli desselben Jahres von allen Mitgliedsländern verabschiedet und folgte einer Übergangsphase, in der die technische Abteilung des Verbandes SETF (Société d'encouragement à l'élevage du Trotteur français) den Fahrern und Reitern Leitlinien zur Verfügung stellte.
Zur Erinnerung: Der genannte Artikel legt fest, dass die Peitsche ausschließlich dazu verwendet werden darf, dem Pferd ein Signal (eine Bewegung des Handgelenks ohne Bewegung der Schulter oder des Ellbogens) zu geben oder das Pferd in einer Situation zu lenken, in der die Sicherheit von Menschen und Pferden gefährdet ist. Der Zweck dieser Reform, nämlich den Erhalt des Ansehens des Rennsports und die körperliche Unversehrtheit der Pferde (Tierschutz), ist unbestritten.
In der Praxis werden Regelverstöße jedoch besonders hart bestraft. Das in den Allgemeinen Bedingungen für Trabrennen detailliert aufgeführte Sanktionsspektrum ist umso strenger, als der Einsatz der Peitsche sowohl beim Aufwärmen als auch während des Rennens geahndet wird, unabhängig davon, wo im Rennen der Verstoß begangen wurde. Ab dem fünften Verstoß wird der Fall an die Stewards des SETF weitergeleitet.
Bei einem Verstoß in einem Gruppe-I- oder Gruppe-II-Rennen wird zudem eine zweitägige Fahr-/Reitsperre verhängt (vier Tage für Nachwuchsfahrer/-reiter), die sich beim Prix d’Amérique und Prix de Cornulier auf acht Tage erhöhte.
Eric Raffin und Alan Gendrot im Prix de Cornulier bestraft
Eric Raffin und Alan Gendrot wurden wegen sechsfachen unerlaubten Peitscheneinsatzes im Prix de Cornulier bestraft. Die Rennleitung verhängte gegen jeden von ihnen eine Geldstrafe von 1.575 € und sperrte sie vom 1. bis 13. Februar 2026 für alle Rennen.
Gendrot, der im Stall von Marc Sassier arbeitet, gab zu: „Dreizehn Tage ohne Wettkampfeinsatz bedeuten natürlich einen Verdienstausfall. Diese Strafe hat die Freude über den Erfolg im Prix de Cornulier getrübt. Ich persönlich war sehr zufrieden mit dem Rennen (Platz sechs mit Halfa, Anm. d. Red.), aber ich fand die Strafe hart. Ich habe nur eine Stute wie Halfa, die ich reiten kann. Ich darf auch nicht mit Miss des Besaces in einem Halbklassikerrennen starten."
„Ich habe den Rennkommissaren zu erklären versucht, dass man sich in der Hitze des Gefechts, wie in einem Rennen wie dem Cornulier, manchmal etwas hinreißen lässt, es aber nicht meiner Natur entspricht, die Peitsche zu benutzen. Sie entgegneten, dass sie mich gerade wegen des Cornulier umso härter bestrafen würden. Das SETF muss in der Tat wachsam sein, was das Bild angeht, das solches Fehlverhalten in der Öffentlichkeit vermittelt. Bezüglich meiner Geldstrafe von 1.575 € hat sich Halfas Züchter, Paul Viel, direkt mit mir in Verbindung gesetzt und mir mitgeteilt, dass er sie übernehmen wird. Ich danke ihm herzlich für diese sehr freundliche Geste, die ich sehr zu schätzen weiß.“
Video: https://www.letrot.com/courses/2026-01-18/7500/4
Sébastien Ernault im Prix d'Amérique bestraft
Sébastien Ernault erfuhr am Mittwoch von den Rennkommissaren der SETF die Länge seiner Sperre. Diese resultierte, wie bereits erwähnt, aus fünf Peitschenhieben gegen Josh Power (2.) auf der Zielgeraden des Prix d'Amérique. Die Rennleiter von Vincennes gaben ihre Zuständigkeit ab, da „der beobachtete Verstoß wahrscheinlich zu einer Sanktion geführt hätte, die ihre Kompetenzen überstieg“. Ernault erhält daher eine Geldstrafe von 2.250 € und ein 15-tägiges Fahrverbot.
Video: https://www.letrot.com/courses/2026-01-25/7500/6
Das Gesetz ist hart, aber es gilt. Bruno Muel, Vorsitzender der SETF-Kommission, erklärt: „Wir haben die Pflicht, ein Vorbild für junge Menschen zu sein, die den Rennsport erlernen und den Profis zusehen. Die Regeln sind eindeutig und gelten für alle gleichermaßen, ob in Paris oder auf dem Land.“
„In Zeiten, in denen soziale Medien eine so große Rolle spielen, ist es wichtig zu verstehen, dass die SETF verpflichtet ist, Rennen zu präsentieren, die ein positives Bild unseres Sports vermitteln. Daher die Verdopplung der Strafen in Gruppe 1, die die größte Medienaufmerksamkeit erhält. Ich bin Rugby-Fan, und wenn ein Spieler eine Rote Karte sieht, senkt er den Kopf und geht in die Kabine, wohl wissend, dass ihm eine Sperre von mehreren Spielen droht.“