Nimczykscher Doppelschlag

Vincennes, Freitag, 28. Februar 2025. Lange Zeit hatte es ganz danach ausgesehen, als würde der deutsche Trabrennsport dem berühmtesten und lukrativsten Traber-Meeting des Globus die kalte Schulter zeigen. Wenn überhaupt, so kreuzten deutsche Traber, Fahrer und Trainer nur in homöopathischer Dosierung im Temple du Trot auf - mit ebensolchem Erfolg. Seit dem 31. Dezember ist das völlig anders.
Gewiss, die klangvollen Gruppe-Prüfungen fanden ohne deutsche Beteiligung statt. Dort hielt Roger Wittmanns Franzose Idéal Ligneries als Einzelkämpfer die schwarz-rot-goldene Flagge hoch. Doch speziell die Nimczyks haben seit Staccato HLs Ehrenplatz an Silvester, der so etwas wie ein Tür-Öffner zu häufigeren und größeren Taten war, Geschmack an der Reise nach Vincennes gefunden und wurden für ihren Mut mit reicher Ernte belohnt.
Je drei erste (Jimmy Ferro BR, Yahoo Diamant, Cosmea) und zweite Ränge (Staccato HL, Yahoo Diamant, Sangria Pellini) aus elf Versuchen hatten seitdem reichlich Knete in die Stallkasse gespült, und auch der Nasenstüber, den ihnen Yahoo Diamant mit seinem durch einen Startfehler bedingten zehnten Platz vor fünf Tagen verpasst hatte, hielt sie nicht davon ab, es am Freitag in einem Satteltraben gleich doppelt zu wagen.
Es lief im Prix d’Alençon von Beginn an prächtig für das Willicher Duo: Mittig drehte Kate Baldwin ein und schnappte sich im Sauseschritt die Spitze, weit außen donnerte Staccato HL los und löste sie Ende der Startgeraden ab, und weil Hiro de l’Ormerie den äußeren Drücker spielte, musste sich Benjamin Rochard keine Gedanken machen, ob und wann er mit der Stute des Stalles Habo die Traumlage aufgeben sollte.
Bergauf forderte Cheyenne Lux mit einem kapitalen Zwischenspurt mehr Tempo ein, doch kaum hatte der von Adrien Lamy gesteuerte Italiener kurz nach dem Gipfel den Leader erreicht, als er aus dem Rhythmus und sich hochkantig zur roten Karte sprang.
Als Hiro de l’Ormerie zu Beginn der Zielgeraden, die Luft ausging, stand die Tür für Kate Baldwin sperrangelweit offen. Benjamin Rochard ließ sich diese Okkasion nicht zweimal offerieren, dirigierte die Virgill-Boko-Tochter nach außen, rang Trainingskumpel Staccato HL nieder und war längst im sicheren Hafen, als die knapp zur Favoritin erkorene Illusive Glory aus hinteren Tiefen weit außen förmlich Flügel bekam.
Staccato HL überrannte sie um eine Länge, doch an Kate Baldwin kam sie um eine halbe Länge nicht mehr heran. Wenn’s läuft, kommt auch das nötige Quantum Glück hinzu: Weil Illusive Glory den Herren „Commissaires“ im Einlauf in der Gangart nicht mehr genügte, wurde sie nach „Enquête“ disqualifiziert, so dass Staccato HL mit dem 14.750 Euro wertvollen zweiten Rang heimreisen durfte. Kate Baldwin legte beim 17. Versuch ihre „Frankreich-Maidenschaft“ ab und kletterte um 26.550 Euro auf 188.275 Euro.
Prix d’Alençon - Monté - (int., Sieben- bis Zehnj., keine 181.000 Euro)
2175m Bänderstart o.Z., 59.000 Euro
1. Kate Baldwin 12,0 Benjamin Rochard 122
7j.br. Hengst von Virgill Boko a.d. Bordeaux Baldwin von Zerberus
Be: Stall Habo (Hans Ulrich Bornmann), DE; Zü: A. Ebbinge, NL; Tr: Wolfgang Nimczyk
2. Staccato HL 12,1 Paul-Philippe Ploquin 32
3. Hana d‘Occagnes 12,3 Tamara Mathias-Maisonnette 410
4. Greyson 12,5 Marine Beudard 850
5. G.K.Justus 12,8 Pierre-Yves Verva 77
6. Ignace Gueneserie 16,8 Anthony Barrier 220
Illusive Glory 2.dai Alexandre Abrivard 28
Hiro de l‘Ormerie dis.r. Mathieu Mottier 98
Cheyenne Lux dis.r. Adrien Lamy 80
Sieg: 122; Richter: sicher (½) - 1 - 2½ - 2½ - 3 Längen; 9 liefen
Zw-Zeiten: 07,9/675m - 09,2/1175m - 11,3/1675m
Wert: 26.550 - 14.750 - 8.260 - 4.720 - 2.950 - 1.180 (- 590) Euro
Video (inkl. Enquete-Entscheidung): https://www.letrot.com/courses/2025-02-28/7500/3