Jacques Cottels „Maître“ eine Augenweide

Vincennes, Sonntag, 16. Februar 2025. Mit dem seit 2016 zu Ehren des Comte Pierre de Montesson gelaufenen Critérium des Jeunes hatte der jüngste im Rennbetrieb aktive Jahrgang Frankreichs, die 2022 geborene Generation „M“, den ersten Klassiker um satte 200.000 Euro auf der Agenda.
Mit 14 Teilnehmern bis zum Anschlag besetzt, wurde die 2.700 Meter weite Aufgabe zu einer Demonstration Maître Jacques‘, den die „turfists” nach seinem Ehrenplatz im Prix Paul Viel am 25. Jänner hinter Italiens Überflieger Golden Gio - dem ersten Versuch auf Gruppe-Ebene - bei 23:10 zu ihrem Favoriten erkoren.
Und der Rolling-d’Héripré-Sohn aus Zucht und Besitz Jacques Cottels, dessen schwarze Jacke mit Ärmeln. Kragen, Kappe und Lothringer Kreuz in Gelb seit Jahrzehnten ein Gütesiegel im französischen Trabrennsport ist, lieferte in einer Manier, wie sie beeindruckender nicht hätte sein können. Am Start, den Maestro River, Margaux des Arris, Machucambo und Monégasque total versemmelten, ging Alexandre Abrivard kein Riskio ein und nahm das Rennen an den Außenrails auf.
Fast selbstverständlich machte Yoann Lebourgeois dem einzigen Allaire-Schützling Monzon Normand vom Fleck weg die schnellsten Beine. Inzwischen ist der 40-jährige längst nicht mehr so ein ungestümer Marschall Vorwärts, der jede Herausforderung annimmt und gegenhält, soweit Füße und Lungen seiner Partner tragen, und so ließ er Maître Jacques auf Zielschildhöhe passieren, als der mit Riesenschritten angestiefelt kam. Hinter Monzon Normand waren Morality, Misty Green und Masina de Tillard untergekommen, die äußere Riege befehligte Magnum du Choquel vor Mack de Blary, Mille Etoiles und Missandei.
Kurz nach dem Gipfel wurde Magnum du Choquel, der 400 Meter vorm Ziel aus dem Takt geriet, von Mack de Blary umflankt, im Schlussbogen gab auch Jean-Michel Bazire seiner mit drei Treffern en suite angereisten Mille Etoiles die Sporen und hatte Missandel am Hacken. Kaum kamen Mack de Blary und die „tausend Sterne“ in Schlagdistanz, als Maître Jacques nicht wie ein unerfahrenes Greenhorn, sondern wie ein alter Raufer aus der Hand zwei Gänge höher schaltete und im Handumdrehen überlegene Ware war.
Ganz entspannt konnte sich sein Pilot vier Längen voraus umsehen, wie Mille Etoiles ihm zwar keinen Zentimeter näher rückte, für die reiche zweite Prämie jedoch Mack de Blary um eine Länge über war. Für den Abrivard-Schüler, der in 1:14,1 deutlich über Koctel du Dains 1:12,9-Rennrekord aus dem Jahr 2023 blieb, war’s beim sechsten Engagement der vierte volle Erfolg; dazu kommen ein zweiter und ein vierter Rang - macht zusammen 174.070 Euro auf der Habenseite sowie die Erkenntnis, dass er - Gesundheit vorausgesetzt - zu ganz großen Taten berufen sein könnte.
Während sich Alex Abrivard bereits 2018 als Catchdriver für Frédéric Prat mit Folelli auf der Ehrentafel verewigt hat, war’s für seinen Vater Laurent-Claude (56) die Premiere. Der kommentierte: „Solch perfekte ‚Zweijährige‘ sind wir in unserem Quartier nicht gewohnt. Normalerweise pausieren sie über Winter oder absolvieren Aufbautraining. Aber Maître Jacques stach immer deutlich heraus, so dass wir uns entschlossen haben, ihn in den Rennstall einzugliedern. Anfangs war er sehr nervös und pullte heftig, doch je intensiver er trainierte, desto ruhiger und abgeklärter wurde er. Wir ernten heute die Früchte einer tollen Teamarbeit.“
Alex Abrivard fügte hinzu: „Als ich ihn im September erstmals fuhr, stand er noch im Stall der Nachwuchshengste. Am meisten stolz bin ich darauf, meinem Vater, der mit Maître Jacques die meiste Arbeit hatte, den ersten Titel in diesem Critérium des Jeunes zu schenken, weil er sehr, sehr hart arbeitet. Mit den Youngsters hatten wir bislang keine großen Erfolge, aber ich glaube, dieses Critérium und der Prix d’Amérique sind jene Rennen, die er noch gewinnen wollte, bevor er in Rente geht. Einen Haken haben wir heute gesetzt…“
Hochzufrieden war desgleichen Jean-Michel Bazire, der wie Laurent Abrivard eher ein Ausbilder ist, der die Traber in Ruhe reifen lässt und später erntet, als Trainer auch erst einmal mit der früh verstorbenen Havana d’Aurcy (2020) eine Siegerin gestellt und sich als Fahrer mit der Royal-Dream-Tochter sowie mit dem von Franck Leblanc präparierten Coquin Bébé verewigt hat: „Mille Etoiles hat rundum überzeugt. Der Sieger stand weit heraus, sie hat den Hengst der Duvaldestins, den ich für ein sehr gutes Pferd halte, in die Knie gezwungen - das war heute das Optimum. Seit sie bei uns ist, hat sie uns begeistert.“
Critérium des Jeunes - Prix Comte Pierre de Montesson - (Gruppe I nat., dreij. Hengste und Stuten)
2700 Meter Bänderstart o.Z., 200.000 Euro
1. Maître Jacques 14,1 Alexandre Abrivard 23
3j.br. Hengst von Rolling d‘Héripré a.d. Adelie von Ganymède
Be / Zü: Jacques Cottel; Tr: Laurent-Claude Abrivard
2. Milles Etoiles 14,4 Jean-Michel Bazire 49
3. Mack de Blary 14,4 Théo Duvaldestin 72
4. Missandei 14,5 Benjamin Rochard 220
5. Morality 14,7 Julien Dubois 420
6. Masina de Tillard 14,8 Clément Duvaldestin 1100
7. Monzon Normand 14,9 Yoann Lebourgeois 180
8. Misty Green 14,9 William Bigeon 260
9. Mat Manathis 15,1 Alexis Prat 660
Magnum du Choquel dis.r. François Lagadeuc 260
Maestro River dis.r. Eric Raffin 66
Margaux des Arris dis.r. David Thomain 1120
Machucambo dis.r. Mathieu Mottier 400
Monégasque agh. Gabriele Gelormini 1590
Sieg: 23; Richter: überlegen 4 - 1 - 1 - 2½ - 1 - 1 - ½ - k.Kopf - 2 Längen; 14 liefen
Zw-Zeiten: 16,0/1200m - 15,6/1700m - 13,2/2200m
Wert: 90.000 - 50.000 - 28.000 - 16.000 - 10.000 - 4.000 - 2.000 Euro
Video: https://www.letrot.com/courses/2025-02-16/7500/6
Rasches Trostpflaster
35 Minuten nach dem vierbeinigen punktete der zweibeinige Maître, und auch der stand als Meistgewetteter auf so vielen Wettscheinen des Prix d’Orthez für Vierjährige, die keine 165.000 Euro verdient hatten. Nach zwei Monaten Pause hatte sich Lissandro wie verwandelt vorgestellt und am 8. November, 21. Dezember und 11. Januar all seine von Jean-Michel Bazire ausgesuchten Prüfungen als Klassenbester mit Bravour bestanden. Nummer vier folgte auf dem Fuße nicht minder souverän, denn auf der Zielgeraden schaute sich „JMB“ fast schon gelangweilt nach den restlichen Mitstreitern sowie nach dem um, was sich von den geschätzt 7.500 Besuchern vor der Tribüne herumtrieb.
Das „Länderspiel“ Italien, das sechs Aspiranten stellte, contra Frankreich begann Alessandro Gocciadoros Frankie LJ vor Louve de Rêve d‘Or am zügigsten. Mit Lapis Lazuli war aber auch der gewinnreichere der beiden Bazire-Schützlinge der Ecurie des Charmes zügig in die Hufe gekommen und löste Frankie LJ ab, als es in den Joinviller Bogen ging. Hinter dem die Außenspur durchpflügenden Light my Fire lag Lissandro auf der Lauer, dem der nach außen dirigierte Louve de Rêve d‘Or, Fantastic Doda und L’As Desbois folgten.
„Jean-Mi“ setzte zu Beginn des Anstiegs volle Segel. Im Nu flitzte Lissandro nicht nur an Light my Fire, sondern auch an Lapis Lazuli vorbei auf die Kommandobrücke und regelte fortan alles nach Belieben. Lediglich sein Stallkamerad spielte nicht recht mit und fiel 500 Meter vorm Pfosten aus. Lissandro hingegen hielt seinen Stiefel eisern durch und klinkte sich die sechste Siegerschleife viel leichter ein, als der Vorteil von zwei Längen auf den Bold-Eagle-Bruder Light my Fire, Louve de Rêve d‘Or und L’As Desbois im bloßen Ergebnis aussagt.
„Manchmal werden auch wir als Ausbilder überrascht: Vor der Pause hat sich ein solcher Aufwärtstrend überhaupt nicht abgezeichnet. Er hat sich in diesem Winter mit jedem Auftritt verbessert, ist unbezwungen durchs Meeting gekommen und ein ausgesprochen sympathischer Zeitgenosse, der nichts krumm nimmt. Ich denke, inzwischen kann er mit den Besten seines Jahrgangs mithalten“, war „JMBs“ Kommentar. Die Ernte des Winters beträgt 127.800 Euro, womit seine gesamte Gage bei 169.565 Euro angelangt ist.
Prix d’Orthez (Gruppe III int., Vierjährige, keine 165.000 Euro; in den letzten 12 Monaten kein Gruppe-I-Rennen im Fahren gewonnen)
2850m Bänderstart o.Z., 90.000 Euro
1. Lissandro 14,4 Jean-Michel Bazire 17
4j.br. Hengst von Ready Cash a.d. Fantasia Dream von Royal Dream
Be / Zü: Ecurie des Charmes (Lucien Urano); Tr: Nicolas Bazire
2. Light my Fire 14,5 Franck Nivard 83
3. Louve de Rêve d‘Or 14,5 Benjamin Rochard 240
4. L’As Desbois 14,6 William Bigeon 100
5. Fil EK 14,6 Paul-Philippe Ploquin 430
6. La Star Roc 14,7 Yoann Lebourgeois 120
7. First Time Roc 14,8 Björn Goop 680
8. Ferahan As 14,8 Mario Minopoli jr 1390
9. Fantastica Doda 15,1 Gabriele Gelormini 290
10. Funny Girl 15,2g Alexandre Abrivard 660
11. Frankie LJ 15,6 Matthieu Abrivard 950
Lapis Lazuli dis.r. Nicolas Bazire 97
Learn to Fly dis.r. Eric Raffin 110
Sieg: 17; Richter: leicht 2 - ½ - ½ - Hals - 2 - ¾ - ½ Länge; 13 liefen
Zw-Zeiten: 17,1/1350m - 16,0/1850m - 14,9/2350m
Wert: 40.500 - 22.500 - 12.600 - 7.200 - 4.500 - 1.800 - 900 Euro
Video: https://www.letrot.com/courses/2025-02-16/7500/7
I Can Dream…
…ließ Besitzer und Trainer Laurent-Claude und dessen Sohn Alexandre Abrivard im 2.175-Meter-Sprint des Prix du Pontavice de Heussey für ältere Monté-Spezialisten träumen. Der Schwarzbraunen stand mit Filwell einer der ganz heißen Tipps des Nachmittags gegenüber, ein Monté-Spezalist, der seit 4½ Jahren bis auf wenige Ausnahmen in dieser Disziplin unterwegs ist, sich auf 762.760 Euro hochgearbeitet hat, aufgrund dieser Gewinnsumme jedoch als Wallach im Winter-Meeting nur höchst sporadisch eingesetzt werden kann.
Für seinen Besitzer, Züchter und Coach Pierre Levesque standen die Zeichen dennoch auf Grün, zumal Adrien Lamy, der Camille Levesque ersetzt, ihn aus drei Ausritten bereits bestens kannte. Vielleicht übertrieb der 35-jährige es mit seinem Generalangriff die Senke hinunter etwas, der ihm vor Impérial Coglais und Galet Sted für den Anstieg die Spitze bescherte. Schonender mit den Ressourcen seiner Partnerin war zweifellos Alex Abrivard umgegangen. Obwohl I Can Dream der äußere Fahrtwind ins Gesicht blies, war die Ubriaco-Tochter ab der letzten Ecke eindeutig stärker und kanzelte den Favoriten sehr deutlich mit vier Längen ab.
Es war der zehnte Sieg aus 35 Versuchen der Siebenjährigen, für die es nach einem äußerst beschwerlichen Einstand ins Meeting mit gerade mal einer siebten Prämie aus fünf Versuchen der zweite Sieg in Folge und damit ein versöhnlicher Abschluss wurde. Die frischen 40.500 Euro stemmten ihr Konto auf 464.555 Euro; mit 1:10,5 erreichte sie nicht ganz den Rennrekord, den Carly seit 2021 mit 1:10,2 hält und den Edition Géma im Vorjahr egalisiert hat. Selbst den Ehrenplatz verlor Filwell auf den letzten Metern: Beim Familienzwist fing die von Thomas Levesque trainierte Gold Voice ihn um einen „Hals“ ab,
Prix du Pontavice de Heussey - Monté - (Gruppe III int., Sechs- bis Elfj., keine 850.000 Euro)
2175m Bänderstart o.Z., 90.000 Euro
1. I Can Dream 10,5 Alexandre Abrivard 36
7j. schwbr. Stute von Ubriaco a.d. North America von And Arifant
Be / Tr: Laurent-Claude Abrivard; Zü: Louis Baudron
2. Gold Voice 10,9 Clément Frecelle 93
3. Filwell 10,9 Adrien Lamy 17
4. Impérial Coglais 11,3 Alexis Collette 89
5. Galet Sted 11,3 Benjamin Rochard 710
6. Intouchable 11,8 Mathieu Mottier 160
7. Hidalgo des Noés 12,0 Anthony Barrier 360
8. Good Girl Marceaux 20,7g Damien Bonne 450
Sieg: 36; Richter: leicht 4 - Hals - 4 - Kopf - 5 - 3 Längen; 8 liefen
Zw-Zeiten: 09,9/675m - 09,3/1175m - 10,2/1675m
Wert: 40.500 - 22.500 - 12.600 - 7.200 - 4.500 - 1.800 - 900 Euro
Video: https://www.letrot.com/courses/2025-02-16/7500/3
Sangria Pellini im Galopp
Nichts genutzt hat alles Daumendrücken für Sangria Pellini, die für den deutschen Stall Tippel Tom für einen guten Zweck auf Achse ist. In der Quinté-Wette des Tages, dem Prix de la Gacilly für sechs- bis achtjährige Ladys, die keine 153.000 Euro verdient hatten und der um 46.000 Euro über 2.850 Meter führte, gehörte die in Schweden geborene, von den Nimczyks trainierte Chocolatier-Tochter bei 13-fachen Odds zum großen Kreis der chancenreichen Anwärterinnen.
Von Matthieu Abrivard im Bogen von Joinville in dritter Spur zur Attacke geschickt, sprang sich die Siebenjährige dort um Kopf und Kragen und wurde mit der roten Karte ausgemustert. Was an der letzten Ecke schwer nach einem Fight der Favoritinnen Jetida/Mathieu Mottier (34:10) und Picture Perfect/Gabriele Gelormini (51:10) roch, wurde auf den folgenden 200 Metern gründlich umgekrempelt.
Diese Beiden hatten gar nichts mehr in Reserve, andere dafür umso mehr. Ganz leicht band Thomas Levesque mit der seit knapp zwei Jahren von seinem Vater Pierre vorbereiteten, in Schweden geborenen Varenne-Tochter Junkie (125:10) den Sack zwei Längen vor Dada del Ronco (410:10) und Jouvence de Carel (170:10) zu und wurde nach 1:12,8 mit 20.700 Euro entlohnt.
Video: https://www.letrot.com/courses/2025-02-16/7500/4
Jimmy rannte … zu Platz vier
Besser machte es 2½ Stunden später im Prix d’Arras (2700m; 59.000 Euro; Sieben- bis Elfjährige, keine 233.000 Euro) Nimczyks zweite Waffe Jimmy Ferro BR, der nach seinem ebenso feinen wie etwas glücklich zustande gekommenen Sieg mit Benjamin Rochard am 23. Januar bei 54:10 zur dritten Kraft des Wettmarkts ausgerufen wurde. Den diesmal Mathieu Mottier anvertrauten Hengst der van Dijk GmbH verbannte ein Startrumpler ins Hintertreffen des Zwölfer-Pulks.
Mottier koppelte ihn an den bergauf von Island Love und Is Magic Haufor auf dem dritten Gleis zusammengestellten und rückte er eine Position vor, als Island Love (39:10) 400 Meter vorm Ziel im Galopp ausfiel und zugleich den Weg für Canto dei Venti (47:10) freimachte. Im Nu war Eric Raffin mit dem Italiener auf der Überholspur und marschierte zum souveränen Drei-Längen-Sieg vor L.A.Boko, der ihm den Weg durch Spur zwei gewiesen hatte. Ganz außen holte Jimmy Ferro BR noch einige Pfeile aus dem Köcher, doch reichte es fürs Treppchen nicht ganz: Knapp nach Is Magic Haufor schlug er als Vierter an, was mit 4.720 Euro honoriert wurde.