Fuchs auf prächtiger Fährte

Vincennes, Samstag, 8. Februar 2025. Natürlich war vorher bekannt, dass der Prix Éphrem Houël als Highlight des Nachmittags nur etwas für die einheimischen Vierjährigen war. Dennoch dürften die französischen Quartiere aufgeatmet haben, denn Antonio Sommas Überflieger Frank Gio durfte nicht mitmachen über die ihm sicherlich liegende Sprint-Distanz, weil er im italienischen Gestütbuch registriert ist.
Der Face-Time-Bourbon-Sohn hatte der gallischen „L“-Elite sowohl im Prix Charles Tiercelin wie im Prix Ourasi deftig die Leviten gelesen und im Prix Ready Cash nur mit sehr viel Pech gegen Lovino Bello hauchdünn den Kürzeren gezogen.
Der Schützling Jocelyn Roberts, dessen italienische Doping-Affäre rund um den „Orsi-Mangelli mittlerweile im Sande verlaufen ist, war, obwohl der Reichste seiner Generation, doch nur zweiter Favorit. Der Part der Nummer eins gebührte Lombok Jiel, der diese Erwartung erfüllte, obwohl Pierre-Yves Verva trotz der verlockenden „Rampe 3“ hinterm Startwagen äußerste Vorsicht walten ließ.
Das ganze Gegenteil steckte im ersten Herausforderer: Eric Raffin ließ den Village-Mystic-Sohn von der „7“ kräftig losschmettern, stach Little Brown (6) und Luciano Menuet (1) aus und regierte, kurz bevor es in den ersten Bogen ging. Lange innen wohl verpackt hielt es Yoann Lebourgeois mit dem formschwachen Allaire-Traber nicht.
Mit dem vierfachen halbklassischen Sieger übernahm der „Freigeist“ vermutlich zum ziemlichen Missfallen seines „Chefs“ den Part des äußeren Anführers, hinter dessen breitem Rücken sich Lombok Jiel, Loulou de Mye, Lemon Tree, Ludivine und London aufreihten. Kurz nach dem Gipfel machte sich London vor Lucky Jackson in dritter Spur bemerkbar, wogegen sich wenig später fast zur gleichen Zeit unabhängig voneinander Lotta Bourbon und Largo de Castelle aus dem Gefecht kickten.
300 Meter vorm Ziel dirigierte Verva seinen Schützling in Spur drei - gerade rechtzeitig, denn vorn hieß es bei Raffin: „Leinen los“. Weil Luciano Menuet die Beschleunigung nicht mitgehen konnte, bog Lovino Bello mit zwei Längen Vorsprung auf Lombok Jiel auf die Zielgerade, was gegen den kernigen Fuchs jedoch nicht reichte. Vier Ermahnungen seines „drivers“ brauchte es, dass er sein Kämpferherz auf die Waagschale warf, die sich allmählich zu seinen Gunsten neigte.
Eine halbe Länge voraus kletterte sein Konto mit dem siebten Sieg aus 18 Versuchen auf 609.325 Euro. Nominell ist Lovino Bello bei 615.255 Euro noch der Primus dieser Generation. Es war die berühmte „Haaresbreite“, mit der er Platz zwei gegen seinen ständigen Schatten Little Brown festhielt.
Der „kleine Braune“, bei 85-fachen Sieg-Odds der größte Underdog im Feld, machte Philippe Allaire weitaus mehr Freude als Luciano Menuet, der ausgepumpt bis auf den letzten Platz zurückfiel. Prima konnte setzten sich auch Lemon Tree und London in Szene, die in dem rasanten Finish weit außen kräftig mitmischten.
Als Kirsche auf der Torte gab’s für Lombok Jiel, der auf einer Ehrenliste mit Größen wie Une de Mai (1968), Idéal du Gazeau (1978), Jorky (1979), Timoko (2011) und Idao de Tillard (2022) steht, den Rennrekord: Mit 1:10,4 steigerte er die gerade ein Jahr alte Marke Koctel du Dains um eine halbe Sekunde.
„Ich wurde in meiner Karriere mit vielen guten Pferden verwöhnt. Dieser kleine, zähe Fuchs gehört zweifellos zu den Besten“, gestand Trainer Jean-Luc Dersoir (70). „Ich freue mich sehr über diesen Sieg, der mit viel Stil zustande kam. Heute war er vorn wieder leicht beschlagen im Gegensatz zum vorigen Auftritt der Gruppe I, wo wir alles riskiert und ihn rundum barfuß gestartet haben."
"Bei ihm ist das eher ein Komfort- denn ein Gewichtsprobelem. Ich werde ihn in Zukunft durchaus noch mal barfuß probieren, jedoch nicht sofort. Im Prix de Sélection könnte er noch mal antreten. Lombok Jiel wird uns schon mitteilen, ob er dazu bereit ist. Man muss auf die Pferde hören …“
Auch Verva war voll des Lobes: „Wir hatten natürlich einen traumhaften Verlauf, weil Luciano Menuet keinen Moment locker gelassen und so durchweg für kerniges Tempo gesorgt hat. Man muss sich das mal vorstellen: Ein Vierjähriger trabt zu Beginn des Jahres 1:10,4! Sein einziger keiner Fehler: Wenn er vorbei ist, lässt er sich ein wenig hängen.“
Prix Éphrem Houël (Gruppe II nat., 4jähr. Hengste & Stuten)
2100m Autostart, 120.000 Euro
1. Lombok Jiel 10,4* Pierre-Yves Verva 18
4j. Fuchshengst von Enino du Pommereux a.d. Surabaya Jiel von Goetmals Wood
Be / Zü: Ecurie Jean Luck; Tr: Jean-Luc Dersoir
2. Lovino Bello 10,5 Eric Raffin 34
3. Little Brown 10,5 David Thomain 850
4. Lewis River 10,5 Franck Nivard 330
5. London 10,6 François Lagadeuc 110
6. Loulou de Mye 10,8 Matthieu Abrivard 210
7. Lucky Jackson 10,8 Jean-Michel Bazire 240
8. Ludivine 10,9 Paul-Philippe Ploquin 490
9. Lemon Tree 11,0 Benjamin Rochard 220
10. Luciano Menuet 12,5 Yoann Lebourgeois 220
Largo de Castelle dis.r. Alexandre Abrivard 770
Lotta Bourbon dis.r. Gabriele Gelormini 570
*Rennrekord
Sieg: 18; Richter: sicher ½ - k.Kopf - ½ - ¾ - 1½ - Kopf - 1 Länge; 12 liefen
Zw-Zeiten: 08,6/600m - 09,6/1100m - 10,0/1600m
Wert: 54.000 - 30.000 - 16.800 - 9.600 - 6.000 - 2.400 - 1.200 Euro
Video: https://www.letrot.com/courses/2025-02-08/7500/8
Prix de Munich nach Schweden
Hauptereignis für die „Erwachsenen“ - sechs- bis elfjährige Europäer, die keine 515.000 Euro verdient hatten - war der über 2.100 Meter führende Prix de Munich der Kategorie A, nach dem Schwedens oftmaliger Trainer-Champion Daniel Redén seinen dritten Sieger dieses Meetings in Empfang nahm, in dem ihm Vieles gegen den Strich gegangen war.
Schließlich residierte er seit November mit einer zehnköpfigen Truppe in Grosbois und musste speziell durch seine Giganten Mister Hercules und Don Fanucci Zet einige Schlappen einstecken, die so herb nicht erwartet worden waren.
Nach frühen Führungswechseln von Cash Bank Bigi über Horchestro zu Jack Tonic schleppte der Duvaldestin-Schützling den Elfer-Pulk die Anhöhe hinauf. Außen lauerte Paul-Philippe Ploquin mit dem durch Startplatz „11“ gehandicapten Indy Rock hinter Grindelwald und Eberton auf seine Chance, die er eingangs der Schlusskurve gekommen sah.
Mit Iznogoud Am „huckepack“ eröffnete er Spur drei, kam an der Einmündung der kleinen Bahn an Grindelwald vorbei an die Flanke des Leaders und rang ihn in 1:11,3 mit einer Länge nieder. Das bescherte dem Readly-Express-Sohn nebst seinem ersten Volltreffer „en France“ 40.500 Euro, die aus 32 Versuchen mit Abstand höchste Börse, die ein Redén-Traber in diesem Vincenner Winter einsackte.
Während der mit Benjamin Rochard liierte Iznogoud Am (93:10) seinen Part nicht durchstand und als Neunter die mauen Resultate von Trainerin Sabine Kagebrant fortsetzte, raffte sich Horchestro (45:10) noch mal auf und fing Jack Tonic (23:10) für den Ehrenplatz mit einem „Hals“ Vorsprung ab (beide 1:11,4).