Favoritensterben in Amiens

Amiens, Mittwoch, 5. März 2025. Die Tür zur Piste von Vincennes ist kaum geschlossen, da bietet sich den einheimischen fünf- bis zehnjährigen Trabern - den Elfjährigen ist diese Runde verwehrt – die nächste Gelegenheit, an etwas fettere Prämien zu kommen.
Zur ersten Etappe des heuer recht nordwestlastigen Grand National du Trot, der 1982 ins Leben gerufenen Tournee durch Gallien, bei der es bis zum 19. November auf 13 Bahnen jeweils Mittwochs mal rechts-, mal linksherum geht, rief traditionell das rund 150 Kilometer nördlich des „Temple du Trot“ gelegene Amiens.
16 Gespanne machten dem Hippodrome de Petit Saint-Jean, einem 1.100 Meter kurzen Rechts-Kurs, für die ersten Punkte und die üblichen 90.000 Euro ihre Aufwartung, darunter einige gute Bekannte aus dem Vincenner Winter-Meeting. Und genau die, an die Weiten des Plateau de Gravelle gewöhnt, kamen mit den kurzen Geraden und dem engen Einlaufbogen überhaupt nicht zurecht und sorgten für ein Waterloo der Gemeinten.
Bei strahlendem Sonnenschein und 12 Grad brauchte der Starter fünf Anläufe, um das 16er-Feld auf die fast drei Runden weite Reise zu schicken. Jaguar Marancourt und Ies We Kann vermochten den Startübungen gar keinen Geschmack abzugewinnen und sprangen sich um Kopf und Kragen.
Wesentlich besser lief’s für Inshot Josselyn, der sich Ende der Startgeraden vor Halma d’Amer die Spitze krallte und von Indy de Jyr begleitet wurde, dem Favorit Jingle du Pont im Nacken saß. Nach 1.300 Metern übernahm Halma d’Amer das Kommando, nur um es im dritten Bogen an Indy de Jyr weiterzureichen, womit Jingle du Pont außen schutzlos dastand.
Das schien Nicolas Bazires Schützling gar nicht in den Kram zu passen, der eine Runde vorm Ziel urplötzlich galoppierte, rasch auspariert wurde, als Fünfter nun in dritter Spur weitermachen musste und auf der letzten Überseite doch ausgemustert wurde.
Im Schlussbogen erwischte die Fehlerhexe Grindelwald und Halma d’Amer, womit Benjamin Rochard auch die letzte ernsthafte Gegnerin los war. Der Rest war Formsache für Indy de Jyr, der sechs Längen voraus „comme à la parade“ zum neunten Sieg aus 52 Versuchen stolzierte, sein Konto um 40.500 auf 297.655 Euro ausbaute und sich das erste imaginäre „Maillot jaune“ überziehen durfte.
Spannend ging‘s allein um die Plätze zwei bis vier zu. Rechtskurs-Aficionado Guerrier Castelets behielt hauchdünn die Nase gegen Inshot Josselyn vorn, der sich mühsam um die springenden und müden Klippen herum auf freie Bahn schlängelte und mit feinem Schlussakkord glänzte.
Innen robbte sich Futur du Chêne bis auf eine Länge an dieses Duo heran. Aus dem nächsten Dreierpack schälte sich Hove Pont Vautier als die für die Quinté-Wette wichtige Nummer fünf knapp vor Hede Darling heraus, der als zweiter Schützling aus dem „Entraînement Bazire“ von den bezulagten Pferden deutlich am weitesten kam.
Für den in der nahen Mayenne ansässigen Marc Sassier war alles im Lot: „Wir haben versucht, Indy de Jyr so gut wie möglich auf diese erste Etappe vorzubereiten, auf der er bestens ins erste Band passte. Ich weiß, wie schwer es ist, aufgrund der großen Nachfrage überhaupt in ein solches Feld zu rutschen. Als Etappensieger genießen wir nun für alle anderen Stationen Priorität und können ihm die Engagements aussuchen."
"Indy ist sehr vielseitig und hat neben aller Qualität das perfekte Profil für eine solche Strecke. Immerhin hat er in diesem Winter in Laval eine Klassestute wie Iroise de la Noé besiegt. Er ist intelligent, klar im Kopf, und wenn er sich nicht in Form fühlt, zeigt er es uns ganz deutlich. Es liegt an mir, auf ihn zu hören und ihn in diesem GNT so passend wie möglich unterzubringen. Dann kann er weit kommen.“
1. Etappe des GNT
Prix Geny Courses (Gruppe III national, Fünf- bis Zehnjährige)
2900 Meter Bänderstart; 25 Meter Zulage ab 263.000, 50 Meter ab 442.000 Euro (unbesetzt); 90.000 Euro
1. Indy de Jyr 2900 12,4 Benjamin Rochard 115
7j.br. Wallach von Théo Josselyn a.d. Sidonie von Hand du Vivier
Be / Zü: Ecurie Haras de Jyr; Tr: Marc Sassier
2. Guerrier Castelets 2900 12,9 Matthieu Abrivard 200
3. Inshot Josselyn 2900 12,9 Esteban de Jesus 230
4. Futur du Chêne 2900 12,9 Simon Laloum 650
5. Hove Pont Vautier 2900 13,1 Adrien Meriel 880
6. Hede Darling 2925 12,5 Franck Ouvrie 270
7. Gai Matin 2900 13,1 Guillaume Gillot 1210
8. Jakarta des Prés 2925 13,3 Maxime Bézier 1090
9. Kyrielle 2925 13,9 Matthieu Verva 1790
10. Hannah 2925 14,1 Thibaut Dromigny 2070
Grindelwald 2925 dis.r. Léo Abrivard 260
Ies We Kan 2900 dis.r. Paul-Philippe Ploquin 560
Jingle du Pont 2900 dis.r. Nicolas Bazire 26
Halma d’Amer 2900 dis.r. Eric Raffin 52
Hockfeler du Mesle 2900 dis.r. Pierre Belloche 110
Jaguar Marancourt 2900 dis.r. Gabriele Gelormini 49
Sieg: 115; Richter: überlegen 6 - k.Kopf - 1 - 2½ - ½ - k.Kopf; 16 liefen
Wert: 40.500 - 22.500 - 12.600 - 7.200 - 4.500 - 1.800 - 900 Euro
Video: https://www.letrot.com/courses/2025-03-05/8002/1
Punkte nach Etappe 1 (Amiens):
Indy de Jyr 15 (1 Sieg)
Guerrier Castelets 10
Inshot Josselyn 8
Futur du Chêne 6
Hove Pont Vautier 5
Hede Darling 4
Gai Matin 3
Für Etappe 2 geht’s von der Nähe des Ärmelkanals quer durch Frankreich in die Nähe des Mittelmeers: In drei Wochen, am 26. März, sind erneut die „Droiteurs“ gefragt: Auch in Salon-de-Provence wartet auf dem Hippodrome de la Crau ein Rechtskurs, der jedoch mit 1.326 Metern deutlich weitläufiger geschnitten ist.
2 Mittwoch 26. März Salon-de-Provence
3 Mittwoch 9. April Reims
4 Mittwoch 23. April Maure-de-Bretagne
5 Mittwoch 21. Mai Le Croisé-Laroche
6 Mittwoch 4. Juni Laval
7 Mittwoch 18. Juni Toulouse
8 Mittwoch 6. Aug. Saint-Malo
9 Mittwoch 10. Sep. Meslay-du-Maine
10 Mittwoch 24. Sep. Lisieux
11 Mittwoch 15. Okt. Feurs
12 Mittwoch 5. Nov. Nantes
13 Mittwoch 19. Nov. Rouen-Mauquenchy
14 Sonntag 30. Nov. Paris-Vincennes (Finale um 150.000 Euro)
Extrem glücklich zu 2.080 Euro
Auch deutsche Interessen waren in der 135.000-Einwohner-Stadt vertreten. Den Prix du Pole de la Licorne (26.000 Euro; 2.900m), ein Trabreiten für sieben- bis zehnjährige Europäer, die keine 120.000 Euro verdient haben durften, hatte das Team Gramüller/Lindinger für Teatox ausgeguckt und für den bereits im Oktober 2024 in diesem Metier in Enghien erfolgreichen Orlando-Vici-Sohn wiederum Ronja Walter gebucht.
Viel Positives gibt‘s über den Derby-Fünften des Jahres 2002 nicht zu berichten, der von Beginn an stets drei Längen Abstand zum durch zwei „Galopper“ rasch auf acht Kandidaten geschmolzenen Feld hatte und nur deshalb mit der vierten Prämie von 2.080 Euro die Rückreise antrat, weil sich der Rest mit der roten Karte am Sünderturm wiederfand und der souveräne Sieger Charles OP/Paul-Philippe Ploquin nach Überprüfung wegen Behinderung Aras im letzten Bogen disqualifiziert wurde.