Björn Goop der E3-König
(Travronden/MT) Björn Goop (49) gewann am Samstagnachmittag in Bergsåker beide mit je 2 Mio. Kronen (rund 183.000 Euro) - plus 50% Premiechansen - dotierte E3-Finals. Er schuf zwei Meisterwerke, trotz katastrophaler Starts.
Beim Elitloppet-Wochenende in Solvalla vor einigen Wochen, als derselbe Björn Goop mit Gaining Experience den Harper Hanovers lopp souverän gewann, feierte er wie nie zuvor. Vor allem im Sulky. Und auch danach noch ausgiebig.
Hier und jetzt holte er sich an einem Nachmittag binnen einer Stunde zwei große Klassiker, mit Pferden, die er selbst trainiert. Na ja – ein bisschen Winken ins Publikum und ein höfliches Lächeln, das war’s.
Doch als TRAVRONDEN ihn persönlich trifft, nach dem Renntag und Ruhe eingekehrt ist, geht der Meisterfahrer und Trainergigant durch die Stallungen, sammelt hier und da ein paar Kleinigkeiten ein – und wäscht ein Pferd.
Es gibt keine Ovationen oder lauten Jubelrufe. Über drei Millionen Kronen Einnahmen und zwei wichtige Titel – sollte man da nicht trotzdem ein bisschen feiern?
„Wir müssen bald los. Morgen ist Solvalla. Die Margaretas Tidiga Unghästserie für drei- und vierjährige Pferde“, bemerkt Björn. „Obwohl es in dieser Branche etwas schwierig ist, Zeit zum Feiern zu finden - wir werden es auf jeden Fall bald tun.“
Abendessen hier in Sundsvall?
„Mal sehen. Ich spreche mit den Mitarbeitern. Es ist wichtig, dass sie spüren, dass es gut für sie und für uns alle, für das gesamte Team, gelaufen ist. Ich möchte wirklich, dass sich jeder im Team einbezogen fühlt. Nicht nur die Pfleger, deren Pferde heute zufällig gewonnen haben. Sondern alle. Wenn wir in unserem Stall Erfolg haben, hat jeder, der mit uns arbeitet und kämpft, seinen Anteil daran.“
Hoffnungslos
Es gibt eine große Ähnlichkeit zwischen den beiden Siegern aus dem Goop-Stall in den E3-Finals. In beiden Fällen waren sie nach dem Start völlig chancenlos. So schlecht, dass Björn selbst etwas frustriert war.
„Wenn man in so einem großen Finale auf den Bahnen fünf und sechs startet, sollte man doch eigentlich ganz gut abkommen, weit vorne im Feld. Entweder vorne mit dabei oder zumindest im zweiten oder dritten Paar außen.“
Aber so lief es nicht. Ganz im Gegenteil.
„Fast alle im Feld sind von Anfang an aggressiv vorgegangen – in beiden Finalläufen. Es gab keine Chance, sich irgendwo einzuordnen. Also blieb mir nichts anderes übrig, als zurücknehmen,“ sagt Björn Goop mit einem leichten Lächeln.
Im Stutenfinale mit Thai Medina war er zunächst Schlusslicht, im Hengstfinale mit Grosbois Vorletzter, nur der Hauptkonkurrent Intro lag noch hinter ihm.
„Ich will nicht sagen, dass ich entmutigt war. Aber wenn man in den wichtigsten Rennen so schlecht abkommt, ist es normalerweise schwer, noch zu gewinnen.“ Aber Goop hat gewonnen. In beiden Fällen. Jeweils auf seine Weise.
Mit Thai Medina wechselte er früh in die dritte Spur, fast eine Runde vor Schluss. „Vor mir gingen einige rasu. Zugegeben, ich hatte gute Rücken. Aber da waren zu dem Zeitpunkt noch viele im Weg. Lange Zeit hatte ich das Gefühl, wir würden nur so rumhängen und nicht vom Fleck kommen.“
Aber auf den letzten 300, 400 Metern drehte der Wind. Irgendetwas passierte. „Ja, dann schien es plötzlich, als ob alle anderen fast gleichzeitig Milchsäure bekamen – nur wir nicht“, lächelt Björn Goop.
Thai Medina war eine von fünf oder sechs Favoritinnen im Vorfeld des Rennens. Nicht mehr. Tatsächlich war sie das unerfahrenste Pferd im Feld. Sie war zuvor erst dreimal angetreten (zwei Siege und ein zweiter Platz). Ihr Debüt gab sie erst Anfang Mai.
„Vor ein paar Monaten hätte man so etwas nicht ahnen können. Damals hatten wir absolut keine besonderen Pläne für sie“, sagt Björn Goop.
Thai Medina – eine schwedische E3-Siegerin, aber auch eine internationale Angelegenheit. Gezüchtet in Dänemark, mit einem asiatischen Namen – und nach dem Sieg wurde in Bergsåker die maltesische Nationalhymne gespielt…
„Die Besitzer kommen von dort. Sie haben schon seit Längerem viel bei mir investiert. Und nun waren sie bei ihrem ersten Gruppe-1-Finale dabei. Also mussten wir natürlich ihre Nationalhymne spielen“, lacht Goop.
Video: https://www.youtube.com/watch?v=b-qxc2XYM_Q
Grosbois ist ein anderer Siegertyp
Auch er war unerfahren, hatte aber immerhin sechs Starts absolviert (viermal Erster, zweimal Zweiter). Und war in der Branche bereits populär, nachdem Grosbois schon ein hochkarätiges Millionen-Rennen gewonnen hatte, die Treåringseliten während des Elitloppet-Wochenendes (damals wie heute mit In The Wind Gar auf dem zweiten Platz).
Grosbois wurde in Bergsåker sowohl in der V85 als auch bei den Siegwetten als klarer Favorit gehandelt.
Als Björn Goop von der hinteren Position ausgangs des zweiten Bogens attackierte, überholte er im Nu alle anderen und setzte sich blitzschnell an die Seite des führenden City Slicker mit Örjan Kihlström.
„Es war sofort spürbar, dass wir es mit einem deutlich besseren Pferd zu tun hatten. Da war nichts mehr zu machen“, so Kihlström.
In dieser Situation gab es keinen Zweifel mehr am Sieger. Björn Goop hatte auf der Endgeraden die Ruhe, die Erfahrung und den nötigen Freiraum, um den Besitzern im Publikum in die Augen zu sehen und den Sieg gemeinsam zu feiern – lange vor der Ziellinie.
„Eigentlich wollte ich von Anfang an offensiv agieren. Aber das Pferd zögerte zu Beginn etwas, ich entschied mich spontan für eine andere Herangehensweise. Trotzdem fühlte ich mich auch mit etwas Rückstand recht sicher, denn ich wusste, dass Grosbois letztendlich ein unglaublich zäher und starker Kerl ist.“
Video: https://www.youtube.com/watch?v=sUKy7MU52_g
Hagoort: „Jetzt fühlt es sich um so besser an“
Paul Hagoort verließ Bergsåker sichtlich zufrieden mit einem zweiten und einem fünften Platz im E3-Finale der Hengste und Wallach.
„Nach dem dritten Platz im Vorlauf von In The Wind Gar war ich nicht zufrieden. Jetzt fühlt es sich um so besser an.“
Aufgrund des Vorlaufs musste In The Wind Gar (v. Captain Corey) im Finale von der acht los. Auch für Fahrer Mats Djuse war es ein schwerer Start: Auf den ersten 800 Metern hing er in dritter Spur, bevor er im zweiten Bogen endlich zum führenden City Slicker aufschließen konnte, und dort 200 Meter weiter vom späteren Sieger abgelöst wurde.
„Mats hat ihn toll motiviert, er ist ein sehr ehrgeiziger Fahrer. Und das Pferd ein echter Kämpfer, der jetzt wieder so läuft, wie er soll“, sagt Paul Hagoort.
Viele Möglichkeiten
Er fügt hinzu, dass In The Wind Gar in Zukunft noch viel Arbeit vor sich hat. „Ja, ein Start im kurzen E3-Rennen ist möglich, und er hat sich bereits für das Halbfinale des Breeders Crown später in diesem Jahr qualifiziert. Außerdem stehen in seiner Heimat, den Niederlanden, noch einige größere Rennen für Dreijährige zur Auswahl.“
Hagoort freute sich überdies über Rang von Reagan Boko (v. Chelsea Boko) mit Robin Bakker im E3-Finale. Insgesamt verdienten seine beiden Pferde 620.000 Kronen.
Newcomer Vici ohne Fortune
Glücklos agierte Newcomer Vici für die Besitzergemeinschaft Simon Siebert/Frank Proest im 587.000-Kronen-Finale der STL Klass I. Zunächst lief alles nach Plan, als der bislang in Schweden mit drei Siegen, einem zweiten und einem dritten Platz so stark agierende Wallach ohne große Mühe die Spitze bekam.
Mitte der Gegenseite geriet die 85:10-Chance jedoch unvermittelt von den Beinen. Fredrik Plassen fing den Fehler zwar mit viel Finesse ab, die Führung war aber futsch und fiel an den Totofavoriten Look at me Sisu. Als jener im letzten Bogen zur allgemeinen Überraschung das Handtuch warf, gab es für Newcomer Vici kein Entweichen.
Plassen musste tatenlos mitansehen, wir vorne die Post abging und fuhr schließlich mit Reserven als Neunter in 1:12,2/2140 Meter über die Linie.
Alle Ergebnisse: https://sportapp.travsport.se/race/raceday/ts616433/results/all