Aus der Deckung fein abgeschmeckt
(nn) Vincennes, Samstag, 24. August 2019. Bewahrheiten sollte sich mal wieder der Volksmund, der da nonchalant behauptet, dass der Dritte sich freut, wenn Zwei sich mächtig in den Haaren liegen.
Das war im Prix Pierre Gamare, dem finanziellen Höhepunkt des Vincenner Nachmittags für die einheimische dreijährige Kavallerie, der Fall, in dem unterwegs alles nach dem fünften Gruppe-Treffer Gala Téjys, des unbestrittenen Sattelkönigs der Generation „G“, aussah. Einzig der Start barg gewisse Imponderabilien, hatte er den doch beispielsweise im St. Leger des Trotteurs zu Caen im Galopp begonnen, rund 40 Meter aufs davon preschende Feld verloren und dennoch nach einer galaktischen Aufholjagd gewonnen. Das war am 15. Mai, danach gab’s den unmissverständlichen Erfolg im Prix d’Essai, und nachdem der Fuchs mit der langen, schmalen Blesse die ersten Schritte ganz außen eindrehend prächtig gelungen waren und er früh in vorderster Linie auftauchte, stank es gewaltig nach dem fünften Sieg am Stück.
Erster Leader war Gainsborough, mit dem Yoann Lebourgeois - oh Wunder - den haushohen Favoriten vorbeiließ, als der zu Beginn der Tribünengeraden mit Volldampf angestiefelt kam. Paul-Philippe Ploquin verzichtete lange darauf, mit ihm an die Innenkante zu wechseln und ließ ihn sich in zweiter, manchmal gar dritter Spur abkauen. Den unwirschen Gospel Pat hatte es am Start erwischt, Gershwin des Vès wie Gee im ersten Bogen, und so blieb hinter Gala Téjy nur ein schmaler Pulk, aus dem Gangster du Wallon sich nach 1200 Metern bemüßigt fühlte, dem Leader allmählich auf den roten Pelz zu rücken. Ab der Einmündung der kleinen Bahn erhöhte sich die Schlagzahl gewaltig; einzig Gainsborough vermochte den beiden Kampfeslustigen zu folgen, von denen sich die Waage mehr und mehr Gangster du Wallon zuzuneigen schien.
Längst nicht alles Pulver verschossen hatte jedoch Gala Téjy, der sich, von Ploquin nur mit den Händen geritten, sicher freimachte. In trockenen Tüchern waren die 45.000 Euro für Rang eins dennoch nicht, denn nun wurde Gainsborough agil. Von Yoann Lebourgeois zwei-, dreimal mit Hieben auf die Satteldecke erweckt, nahm der Braune aus dem ersten „Crop“ des zweifachen Millionärs Bird Parker die Beine zügig in die Hand und überrannte den Favoriten um eine halbe Länge. Gangster du Wallon bekam für seine heroische „Vorbohrung“ nichts: Nach Gangart-Überprüfung sah er als Dritter die blaue Karte, so dass „Bronze“ endlos zurück an die unauffällig mitgelaufene Gaia du Pont fiel, die die Zielgerade im Zuckeltrab absolvierte; alle andern grüßten vom „Sünderturm“. 16.000 Euro Prämien blieben deshalb im Vereinssäckel.
Prix Pierre Gamare - Monté - (Gruppe II nat., dreij. Hengste & Stuten)
2700m Bänderstart o.Z., 100.000 Euro
1. Gainsborough 15,6 Yoann Lebourgeois 118
3j.br. Hengst von Bird Parker a.d. Redemption Song von Idéal de l‘Iton
Be: Jan Stins; Zü: Sharmila Dass; Tr: Romain Derieux
2. Gala Téjy 3. Gaia du Pont Gangster du Wallon Galaxie d’Havane Greta du Châtelet Gershwin des Vès Gospel Pat Gee |
15,7 Paul-Philippe Ploquin 19,7 Eric Raffin 3.dai Benjamin Rochard dis.r. Alexandre Abrivard dis.r. Damien Bonne dis.r. Marie Bacsich dis.r. David Thomain dis.r. Matthieu Abrivard |
16 220 110 370 770 780 53 94 |
Sieg: 118; Richter: Kampf ½ (- 2) - 55 Längen; 9 liefen (NS Gatsby Perrine)
Zw-Zeiten: 17,1/1200m - 16,5/1700m - 16,2/2200m
Wert: 45.000 - 25.000 - 14.000 - (8.000 - 5.000 - 2.000 - 1.000) Euro
Classic Connection überragend
Da ging Classic Connection, Deutschlands Derby-Trostlauf-Sieger des Jahres 2017, erstmals überhaupt rundum ohne Eisen und seit dem 27. Januar wieder mit seinem Züchter und Besitzer Jean-Pierre Dubois in seine bislang anspruchsvollste Aufgabe, und dann hauten der gemeinsam mit Elvis Madrik und Eye of The Storm jüngste und der mit 79 Jahren Älteste im Zehner-Feld alle aus selbigen in einer überragenden Manier, die Wünsche auf weitere glanzvolle Auftritte weckt. „JPD“ ersparte seinem Hengst anfangs wenig, scheuchte ihn mit Jerry Mom und Eye of The Storm im Schlepptau durch die dritte Spur des Prix de Provence, übernahm nach 800 der geforderten 2700 Meter das Zepter und reichte es gleich an seinen Verfolger Jerry Mom weiter.
Der Traders-Bruder, in diesem Jahr richtig aufgewacht und von Luc Roelens auf Vordermann gebracht, hatte von den letzten acht Starts vier erste und zweite Plätze sowie 178.000 Euro mitgebracht, musste jedoch auf seinen Standardfahrer Pierre Vercruysse verzichten. Erstklassigen Ersatz hatte man in Eric Raffin gefunden, der bergauf erst die Zudringlichkeiten Eye of The Storms, dann jene von Colt des Essarts parierte, der kurz vorm Einbiegen in die lange Schlusskurve im Galopp Adieu sagte. All das schien ziemlich an den Kräften des Ready-Cash-Sohnes genagt zu haben. Schon als Monsieur Dubois seinen Hengst 500 Meter vorm Pfosten durch den scheunentorgroßen Ausstieg an seine Seite chauffierte, schien der Sohn der kanadischen Stakes-Siegerin Crys Dream deutlich mehr Körner im Tank zu haben. Der Anschein bestätigte sich auf der Zielgeraden in verblüffender Weise.
Während Classic Connection ohne einen Handschlag seines alten Fahrensmanns - abgesehen vom lobenden Sieger-Klaps kurz vorm Ziel - wie auf Schienen davonzog, schwächelte Jerry Mom mehr und mehr und verlor die Plätze zwei und drei an die aus dem dritten Paar innen bzw. außen prächtig auf Touren kommenden Aron the Baron und Cocktail Julino. Wenig zu bieten hatte der sonst so zuverlässig aufs Stockerl stürmende Caprice de Lupin, der lediglich die kleinste Prämie abgriff. Für seinen siebenten Sieg aus 30 Versuchen erhielt Classic Connection 33.300 Euro überwiesen - macht 255.120 Euro für den muskulösen Braunen mit der langen schmalen Blesse, der ohne Check unterwegs war. Und für seinen Herrn und Meister ist selbst in Gruppe-Prüfungen das letzte Wort augenscheinlich noch immer nicht gesprochen.
Prix de Provence (Gruppe III int., Fünf- bis Siebenj., keine 375.000 Euro)
2700m Bänderstart o.Z., 70.000 Euro
1. Classic Connection 13,0 Jean-Pierre Dubois 50
5j.br. Hengst von Love You a.d. Crys Dream von Taurus Dream
Be / Zü: Jean-Pierre Dubois, FR / DE; Tr: Yves Boireau
2. Aron the Baron 3. Cocktail Julino 4. Jerry Mom 5. Discours Joyeux 6. Copernic de Play 7. Caprice du Lupin 8. Eye of The Storm 9. Elvis Madrik 10. Colt des Essarts |
13,3 Yoann Lebourgeois 13,4 Matthieu Abrivard 13,5 Eric Raffin 13,5 Paul-Philippe Ploquin 13,6 Adrien Blandin 13,7 Antoine Wiels 14,8 Nicolas Bazire 15,1 Jean-Michel Baudouin 15,8g François Lagadeuc |
400 220 23 840 680 55 850 900 38 |
Sieg: 50; Richter: überlegen 3½ - 1½ - 1 - 1 - 1 - 1½ Längen; 10 liefen
Zw-Zeiten: 15,9/1200m - 14,1/1700m - 13,6/2200m
Wert: 33.300 - 18.500 - 10.360 - 5.920 - 3.700 - 1.480 - 740 Euro